BARBARA RUDNIK
Sprungbrett Kiwi-Eisbecher
„Schon als Kind war ich lieber auf dem Hof, wo die Autos repariert wurden, und nicht in der Küche bei den Frauen, die Speisen herrichteten. Auch körperlich war ich nie von einer weiblichen Ängstlichkeit befallen“, sagt die deutsche Schauspielerin BARBARA RUDNIK in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Klischee der mädchenhaften Frau erfüllt sie nicht. Selbstbewußt zieht sie im Alter von 18 Jahren vom überschaubaren Kassel, wo ihre Familie lebt, in die bayrische Landeshauptstadt München, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und beschließt Schauspielerin zu werden. Um den Schauspielunterricht am Zinner Studio bezahlen zu können, kellnert sie in einem Münchener Eiscafé. Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen, denen sie der Legende nach einen Kiwi-Eisbecher serviert, entdecken und engagieren sie für eine ihrer Produktionen. Der Startschuss für eine große Karriere.
WIE SIE WURDE, WAS SIE IST:
BARBARA RUDNIK wird am 27. Juli 1958 in Wehlbach an der Sieg geboren. In einer ihrer ersten Rollen, der Kinoproduktion „Kopfschuss“ (1982), spielt sie die Protagonistin Annie, die in einem Kinocenter arbeitet und nachts ihre realtitätsfernen Kinophatasien auslebt. Die Kritiker feiern sie als die deutsche LAUREN BACALL und prophezeien ihr eine große Zukunft. Ein Vergleich, der RUDNIK einerseits stolz macht, über den sie sich manchmal aber auch ärgert: „Wenn einmal etwas geschrieben wird, hält es sich ewig.“ 1995 spielt sie neben GÖTZ GEORGE im Psychothriller „Der Sandmann“. RUDNIK wird dafür mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. In den folgenden Jahren spielt sie zahlreiche Hauptrollen in Fernseh- und Kinofilmen. Besonders die Rolle der kühlen, gefassten Frau in schwierigen Lebenssituationen liegt ihr: Ob als Gerichtsmedizinerin Ruth Jacoby in „Gefährliche Wahrheit“ (1999), überarbeitete 'Wiesn'-Bedienung Birgit, die an ihrer in Routine erstarrten Ehe zweifelt („Oktoberfest“, 2005), oder als zweite Ehefrau WILLY BRANDTS im ARD-Zweiteiler „Im Schatten der Macht“ (2003) - immer spielt sie Figuren mit Gradlinigkeit und Tiefe. Im Dezember 2005 der Schicksalsschlag: Bei BARBARA RUDNIK wird Krebs diagnostiziert. Sie lässt sich ihre Erkrankung nicht anmerken, steht weiter vor der Kamera. In der Krimireihe „Commissario Laurenti“ spielt sie die Kunsthändlerin Laura Laurenti – eine starke Frau, die weiß was sie will und das Leben in vollen Zügen genießt. Als klar ist, dass der Krebs stärker ist als sie, ändert RUDNIK ihr Leben: „Ich habe eine ungeheure Lebenslust entdeckt, die viel zu lange verschüttet war.“ Fast vier Jahre kämpft sie gegen die tödliche Krankheit, wird mit mehreren Chemotherapien behandelt. Am 23. Mai 2009 stirbt BARBARA RUDNIK im Kreis ihrer Angehörigen in München. TIL SCHWEIGER widmet ihr seinen Film „Zweiohrküken“ (2009). In der Vorgängerproduktion „Keinohrhasen“ (2007) ist sie noch in einer Nebenrolle zu sehen.
In den 1980er Jahren ist sie mit Filmproduzent BERND EICHINGER liiert. Es folgen Beziehungen mit Medienmanager CHRISTIAN SEIDL und Autor PHILIPP KREUTZER. Von 2001 bis 2005 ist der bekannten Münchener Sterne-Koch KARL EDERER ihr Lebensgefährte.
Carolin Cegelski
Datum: 08.06.2009
Größe: 12 Elemente
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